Antizyklisch
reisen, heißt Orte intim zu erleben, ungeschminkt. Das spüre ich
dort besonders deutlich, wo zur Saison Touristenmassen den Blick aufs
Wesentliche versperren. Salzburg ist für mich deshalb am schönsten,
wenn Oster-, Pfingst- und Sommerfestspiele vorüber sind. Gerade weil
die barocke Schönheit der Stadt mir immer wieder den Atem
verschlägt, liebe ich es, dass dort in den letzten Jahrzehnten die
Gegenwartskunst Fuß gefasst hat. Nicht nur durch den Galeristen
Thaddäus Ropac, der in der Villa Kast am Mirabellgarten und in den
weltweit größten Ausstellungsräumen einer privaten Galerie am
Stadtrand Meisterwerke von heute zeigt. Von weithin sichtbar ist
Salzburgs Lust am Hier & Jetzt im Museum der Moderne auf dem
Mönchsberg, von den Münchner Architekten „Friedrich Hoff Zwink“
entworfen und 2004 eröffnet. Die Wechselausstellungen dort sind
erstklassig. Die Architektur, spröde von außen, zeigt sich im
Inneren aufregend; große Fenster öffnen den Blick auf die Natur
oder auf einen Skulpturengarten, das kühne Treppenhaus schenkt ein
Gefühl von mondäner Weite.
Vor
allem jetzt im Herbst bietet „Sky Space“, ein Werk des
amerikanischen Lichtinstallationskünstlers James Turrell etwas
Grandioses. Der betretbare Zylinder, direkt neben dem Museum gelegen,
ist oben offen; wer sich dort kurz vor Einbruch der Dämmerung
hineinsetzt und durch die Öffnung den Himmel wie ein gerahmtes Bild
beobachtet, erlebt das Erlöschen des Tages als ergreifendes
Schauspiel.
Finale
ist dann ein Abendessen im M32, dem Museumsrestaurant, ausgestaltet
von Matteo Thun. Von hier aus geht der Blick frei auf die Festung,
die Kuppeln, Türme und Dächer der Stadt. Diese Kulisse bildet ein
perfektes Team mit der erstklassigen österreichischen Küche und den
besten Weinen des Landes.
www.museumdermoderne.at
M32 FON 0043 662 84 1000

Gabriele Strehle
